Vom Fachexperten zum Organisationsentwickler

Seit meinem Start ins Berufsleben war und bin ich „Berater“.  Als ich in den 70er Jahren in einem international tätigen Beratungsunternehmen anfing, sah die Beraterwelt noch ganz anders aus als heute: In Deutschland handelte es sich dabei um die Tätigkeit eines Spezialisten auf irgendeinem Gebiet, der seine Expertise zur Verfügung stellte. In meinem Fall war es das Gebiet des „Technology Management“. Mal war ich „Experte“ für Schienennahverkehrsysteme, mal für Elektronenstrahlschweissmaschinen. Mal habe ich namhafte Unternehmen, mal Bundesministerien beraten. Aber immer hatte ich dabei ein ungutes Gefühl: Wann fliege ich auf mit meinem angelesenen Expertenwissen und was passiert eigentlich, nachdem ich mein „Gutachten“ abgeliefert habe? Was kann man davon umsetzen? Was taugt in der Praxis?

Als ich in den frühen 80er Jahren etwas von „Organisationsentwicklung“ (OE) hörte, wusste ich, dass ich genau das machen möchte: Menschen in Organisationen bei den Veränderungen unterstützen, von denen sie glauben, dass sie sinnvoll oder nötig sind. Meine Expertise bestand ab da im Organisieren von Ideenaustausch und Zusammenarbeit, im Gestalten von Prozessen der Entscheidungsfindung und deren Umsetzung sowie im Begleiten von Betroffenen und Beteiligten.

 

Meine neue Aufgabe

Als Selbständiger unterwegs

Nach meiner Ausbildung in Organisationsentwicklung am Gottlieb Duttweiler Institut 1983/84 wollte ich diese Form der Beratung bei meinem Arbeitgeber einführen. In dieser Beratungsfirma war ich mittlerweile Abteilungsleiter. Aber die Kunden dieses Unternehmens wollten weiterhin nur Fach-Experten und so machte ich mich 1987 selbständig. Seither erfüllt mich diese Art von Beratung, die man seit Mitte der 90er Jahre  „Change Management“ nennt. Ich durfte viele Menschen aus Organisationen des Profit- wie des Non-Profit-Bereichs, allein oder in Kooperation mit anderen (z.B. FGI), in ihrem Bemühen begleiten, etwas zum Besseren zu verändern – was natürlich nicht immer gelang. Ergänzt habe ich mein Portfolio nach zahlreichen Weiterbildungen um Führungskräftetrainings (Management Development Programme), Coachings und OE-Ausbildungsangebote.

Meine neue Aufgabe: CTT im deutschsprachigen Raum verbreiten

Eigentlich hatte ich den Ruhestand schon fest im Blick, wollte nur noch Rosinen picken und ab und an ehrenamtlich (z.B. in Schulen) meine Dienste anbieten. Tatsächlich habe ich mich auf diese Branche schon etwas eingelassen und werde das auch weiterhin tun.
Aber 2011 ist etwas Entscheidendes dazwischen gekommen: Ich habe Richard Barretts Art der werteorientierten Organisationsentwicklung und seine „Cultural Transformation Tools“ kennen gelernt. Plötzlich erging es mir damit so wie zu Beginn der 80er Jahre: Es tat sich mir eine neue Perspektive auf. Denn dieser Ansatz ist für mich so etwas wie die Krönung der OE oder wie ihre neue Fundierung. Barretts Werk und seine Methoden sind im deutschsprachigen Raum allerdings praktisch unbekannt. Um genau das zu ändern, starte ich noch einmal durch.